Queergestreift Filmfestival, Konstanz

Liebes Publikum, endlich ist es wieder soweit: Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm auch das 32. Queergestreift Filmfestival im Zebra-Kino!

Wir freuen uns, Euch ein vielfältiges, abwechslungsreiches und herausforderndes Programm präsentieren zu können. Soviel vorab: es ist so queer wie noch nie!

Im Anschluss an die Eröffnungsfilme «Can You Ever Forgive Me» und «Studio 54» geht es diesen Freitag ab auf die Tanzfläche ins Kula, wo das Queer Party-Team euch ordentlich einheizen wird.

Das Festivalprogramm 2019 besteht aus zahlreichen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, abgerundet von einem hochkarätigen Rahmenprogramm: Neben zahlreichen Filmgesprächen und Diskussionsrunden mit Regisseur*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen, gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal auch drei Lesungen: Bestsellerautor Julian Mars liest aus seinem Roman Lass uns von hier verschwinden, Aktivist*in Sascha Rijkeboer stellt autobiographische Texte vor, die sich mit Fragen zu Sinn, Sein und Sollen beschäftigen, und in der Veranstaltung zum brandneuen Theaterstück «Russian Boy» von Dmitri Sokolov geht es um die Lebensrealitäten schwuler junger Männer in Russland.

Auch thematisch tut sich dieses Jahr einiges: 2019 jährt sich der Stonewall-Aufstand von New York zum 50. Mal. Die teils gewalttätigen Aufstände entstanden aus Konfrontationen zwischen Polizei und Aktivist*innen vor dem Stonewall Inn, einer bekannten New Yorker Schwulenbar. Sie schrieben Geschichte in der Gay-Rights-Bewegung. Das Queergestreift-Programm gibt Einblicke in die Anfänge der weltweiten Kämpfe um Anerkennung nicht-heteronormativer Lebenskonzepte. Mit «Riot», «Mapplethrope», «Studio 54», «1985» und «Dykes, Camera, Action!» tauchen wir direkt ein in die Zeit während und kurz nach dem New Yorker Aufstand. Die Filme zeigen prägende Persönlichkeiten und zentrale Themen der queeren Kämpfe der 70er und 80er Jahre, die bis heute nachwirken. Einen Blick noch weiter zurück ermöglicht der Stummfilm-Klassiker «Anders als die Anderen» von 1919. 100 Jahre nach dem ersten Film über Homosexualität, der zum Ende der Weimarer Republik verboten wurde, wird deutlich, was diese Kämpfe bewirkt haben. 

Auch heute noch – 50 Jahre nach Stonewall – fechten Menschen vor und hinter der Kamera Kämpfe aus, schaffen durch ihr Handeln oder die Präsenz ihrer Körper Sichtbarkeiten, fordern die Anerkennung verschiedener Lebens- und Liebesentwürfe, hinterfragen kulturelle Normen und verschieben die Grenzen des «bisher als möglich Erachteten». Die ausgewählten Filme verweisen sowohl auf die vermeintlich kleinen alltäglichen Kämpfe, als auch auf die grossen Bewegungen, die auf gesellschaftliche Umbrüche abzielen.

«The Miseducation of Cameron Post» ist neben «Boy Erased», den Queerstreifen bereits im Februar zeigte, das zweite US-amerikanische Coming-of-Age-Drama in diesem Jahr, das die Folgen christlicher Konversionstherapien thematisiert. Es ist nicht zuletzt solchen Filmen zu verdanken, dass auch bei uns die Debatte um ein Verbot solcher Praktiken zunehmend öffentlich geführt wird.

«Anchor and Hope» porträtiert dagegen ein wesentlich liberaleres Umfeld, in dem es nicht mehr um das Erkämpfen von Rechten, sondern um die Dynamiken und Konflikte innerhalb einer neu gegründeten Regenbogenfamilie geht.

Die Dramen «Greta» und «Die Erbinnen» bringen eine weitere Perspektive in das Programm: Queersein im Alter. Neben Leben und Lieben widmen sich z.B. «Genderblend – Genderbende» und «Obscuro Barrocco» dem Thema Körperlichkeit: Es geht um Körper, die sich dem normativen Zugriff verwehren, aber auch um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper.

Nach den Erfolgen des letzten Jahres sind auch 2019 wieder ein erotischer Kurzfilmblock (diesmal mit Live-Besuch aus Berlin), und mit «The Wild Boys» und «Luft» Kooperationen mit dem Shivers- und Zebrastreifen-Team mit im Programm. Am 24.3. öffnen wir die Kinotüren schon am Vormittag für eine Matinée mit gemütlichem (Kater-)Frühstück.

Dass das diesjährige Festivalthema «Kämpfe» mehr als aktuell ist, zeigt auch der Abschlussfilm «Rafiki», der in seinem Heimatland Kenia der Zensur zum Opfer fiel und schliesslich nach einer erfolgreichen Klage wieder im Kino zu sehen ist.

Und weils so schön ist, setzen wir in diesem Jahr noch einen drauf: Am 27.3. steigt die Closing Party in der Kantine, in Kooperation mit dem queerfeministischen DJ*ane-Kollektiv Always Ultra! Bäm! Für beide Partys gibt es Kino-Kombi-Tickets mit dem Film jeweils direkt vor Partybeginn.

Hier gehts zum Gesamtprogramm.
Queergestreift Filmfestival,
15. – 27.3. Zebra Kino, Konstanz