Seit einiger Zeit schreibt der Kanton St.Gallen die meisten offenen Stellen mit dem Zusatz «m/w/d» aus. Das fiel Dominik Gemperli auf, dem Gemeindepräsidenten von Goldach und Kantonsparlamentarier der Mitte-Partei. In einer Anfrage erkundigte sich der Jurist bei der Regierung, auf welcher rechtlichen Grundlage diese Zusatzbezeichnungen erfolgten. Das Schweizer Recht kenne ja kein drittes Geschlecht. Es gebe – so seine Meinung – deshalb auch keine Grundlagen für das «d» in den Stelleninseraten, das für «divers» steht.
Die Regierung geht in ihrer Antwort auf diese angeblich fehlende Rechtsgrundlage gar nicht erst ein und stellt klar, dass der Zusatz «m/w/d» heute Standard sei und dass der Kanton mit aktuell rund neunzig nicht besetzten Stellen darauf angewiesen ist, dass seine Ausschreibungen möglichst viele Bewerberinnen und Bewerber ansprechen – auch Personen, die sich als non-binär identifizieren und die mit dem «d» angesprochen werden.
Zudem habe der Kanton als Arbeitgeber das Ziel, die Chancengleichheit zu fördern. «Als offener, neutraler und nichtdiskriminierender Arbeitgeber aufzutreten» sei wichtig. Und schliesslich gebe es in der deutschen Sprache für gewisse Stellen schlicht keine geschlechtsneutralen Bezeichnungen, wie etwa für eine Richterin oder einen Richter. Auch deshalb sei der «divers»-Zusatz wichtig.
Mit dieser klaren Antwort hat die Regierung den sich non-binär definierenden Personen einen Dienst erwiesen und klargestellt, dass sie mit diesen drei Buchstaben in den Stelleninseraten keineswegs «Symbolpolitik» betreibt, wie dies Kritiker Dominik Gemperli formulierte. Wenn er wirklich «Toleranz und Inklusion begrüsst» – so mindestens formulierte er es in seiner Anfrage – hat er nun allen Grund dazu, auch die Ausschreibungen seiner Gemeinde mit dem Zusatz «m/w/d» zu ergänzen, unabhängig von juristischen Formalismen.
Für die betroffenen non-binären oder queeren Personen sind Stelleninserate mit diesem Zusatz weit mehr als ein Symbol. Sie zeigen, dass eine Arbeitgeberin veraltete Geschlechter-Clichés hinter sich gelassen hat und auf die individuellen Fähigkeiten setzt, egal welchem sozialen Geschlecht sich die betreffenden Menschen zugehörig fühlen.
Angesichts der aktuell um sich greifenden anti-queeren Strömungen stellt sich die Frage, ob Kantonsrat und Gemeindepräsident Gemperli mit seiner – nun ins Leere gelaufenen – Anfrage diese Tendenz nicht noch unterstützt hätte. Gut hat ihn die Regierung gestoppt.